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Manchmal schreibe ich Dinge in mein Tagebuch, die ich niemandem sonst erzählen würde. Ich möchte sie mit euch teilen, weil ich mir gut vorstellen könnte, dass ihr die ein oder andere Situation kennt und euch darin wiederfinden könnt... "Es ist dunkel, nachtschwarz und klirrend kalt. Vom Himmel wirbeln kleine weiße Schneeflocken, doch ich freue mich nicht über sie. Keiner freut sich über sie, jetzt, Anfang März. Man blickt in den Himmel und denkt nur an die negativen Auswirkungen, die Schnee hat. Verstopfte Straßen, Schneeränder an den Schuhen, und Matsch, wenn er wieder wegtaut. Und eine matschige, dreckige Landschaft zurücklässt, die nichts gemeinsam haben mit den Frühlingsgefühlen, die man Anfang März gerne haben würde. Wie anders hätte man darüber gedacht, wenn es um die Weihnachtszeit geschneit hätte. Man hätte sich gefreut, tief die kalte Luft eingesogen und wäre sicher gewesen, dass Weihnachten nun kommen konnte. Man hätte eine Schneeballschlacht gemacht oder einen Schneespaziergang und danach einen heißen Tee getrunken. Ich sitze im Auto meines Onkels, er fährt mich nach Hause, weil ich auf seine kleine Tochter aufgepasst habe.Erst sprechen wir gar nicht. Er hat schlechte Laune, das merke ich. Der Abend war nicht so verlaufen, wie er sich das vorgestellt hatte, das hatte ich mitbekommen. Die Bar war nicht geheizt gewesen, das Essen mittelmäßig, die Musik zu laut. "Wie läuft's mit dem Führerschein?", fragt er irgendwann. Ich stöhne innerlich. "Blödes Thema, nächstes Thema", denke ich, spreche meine Gedanken aber natürlich nicht aus. So einen Satz kann ich in einem Gespräch mit meinem Onkel nicht bringen. Also antworte ich: "Naja, ich bin jetzt länger nicht gefahren. Die Fahrschule hatte Fasnachtsferien und letzte Woche haben wir drei Klausuren geschrieben." "Aha." "Aha", äffe ich ihn in Gedanken nach. Jetzt habe auch ich schlechte Laune. "Wie oft bist du denn schon gefahren?" "Erst zweimal." "Zweimal, oje, das ist ja noch nichts!" "Jaja", denke ich. "Als ob ich das nicht selber weiß." Wieder schweigen wir eine Weile. "Triffst du dich eigentlich noch mit diesem jungen Mann?" Chris. Das zweite Tabuthema im Moment! Mein Onkel schöpft mal wieder aus den vollen in dieser Nacht. "Nein, es gab gewisse ... Differenzen." Ich hoffe wirklich, dass er nicht weiter nachhaken würde. Aber meine Hoffnung stirbt jäh, als er fragt: "In wiefern?" "Er wollte zu schnell zu viel." Ich seufze, weil es immer noch wehtut. Diese Auskunft muss ausreichen. "Schade." In der Art, in der mein Onkel dieses einzige Wort sagt, liegt so viel Mitleid, dass ich mich sofort ganz klein fühle. "Er weiß es", schießt es mir durch den Kopf. "Er weiß, dass ich einsam bin." Fast klingt es so, als hätte er es mir wirklich von Herzen gewünscht. Dass endlich jemand kam und mich an die Hand nahm. Um mir zu zeigen, wie schön das Leben sein konnte, wenn man es durch die Augen eines Erwachsenen sah. Wieder ist es eine Weile still im Auto. Die Scheibenwischer vertreiben unaufhörlich die herumwirbelnden Schneeflocken. Doch sie sind zu flink und zu trocken. Sie gelangen einfach überallhin. Das Streufahrzeug fährt an uns vorbei. Das orangene Licht erinnert mich irgendwie an eine Ausnahmesituation. An Gefahr. An zu helles Licht im Dunkeln. Unnatürlich. Beunruhigend. "Weißt du schon, wie es nach dem Abi weitergehen soll? Irgendwelche Pläne?" Ja, wir arbeiten die Zukunft ab. Die Lebensplanung. Die Dinge, die einen in diesem Land zu einem Erwachsenen machen. Ein guter Schulabschluss, eine erfolgreich absolvierte Ausbildung oder ein Studium, ein unbefristeter Arbeitsvertrag. Der Führerschein. Ein Freund, gut aussehend, im Schnitt zwei Jahre älter, mit Erfolg versprechendem Beruf. Arzt, Jurist, Bankier. Eine eigene Wohnung. "Keine Konkreten. Ich muss mal abwarten, wie mein Abischnitt wird und welche Studiengänge in Frage kommen. Ich möchte nur ungern ausziehen." "Und das ist wirklich das, was du willst? Hierbleiben?" "Ja, erstmal zumindest." "Aha, okay." Es stimmt, was ich sage. Aber es wäre lieber gesehen, wenn ich mich raustrauen würde, das weiß ich. Um mal etwas anderes zu sehen. Nach München. Nach Berlin. Wieder seufze ich innerlich. Ich bin bereits einmal in meinem Leben ziemlich hart gefallen. Sozusagen auf dem Boden der Tatsachen gelandet. Damals habe ich gelernt, dass man lieber kleine Schritte machen sollte. Inzwischen kenne ich mich gut genug um zu wissen, was ich mir zutrauen kann und was nicht. Von jetzt auf gleich ins weite Deutschland aufzubrechen gehört definitiv nicht dazu. Jetzt zumindest noch nicht. Ich steige aus mit dem Gefühl des Nichtgenügens. Ich wohne noch zuhause, habe keinen Plan von der Zukunft und keinen Freund. Riesenprobleme mit dem Führerschein. Am Meisten ärgert es mich, dass mir das alles so viel ausmacht. Dass mich die Worte so getroffen haben. Wo ich doch sonst zufrieden bin mit dem, was ich habe. Meistens zumindest. Meine Familie bzw. Verschwandschaft ist schon immer ein meister darin gewesen. Eine graue, dunkle Wolke, die immer mal wieder in regelmäßigen Abständen über den eigenen Himmel zieht. Und ordentlich abregnet. "Meine Therapeutin hat mir da sehr geholfen", hat meine Mutter mal gesagt. "Manchmal regnet es noch, aber ich werde nicht mehr so nass." Ich glaube, dass einen so Gespräche einfach dann treffen, wenn man selbst gerade am Zweifeln ist. Dann ist die Haut so dünn und man hat keinen Schutz. Im Grunde ist das wie bei Krankheiten. Die treffen einen auch immer dann, wenn man schon geschwächt ist. Dieses Gespräch jedenfalls beschäftigte mich eine ganze Weile. Immer wieder hatte ich das Gefühl, kurz die Luft anhalten zu müssen. Weil ich einfach nicht weiß, wie es weitergehen soll..."



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